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Die Sache mit dem Nick! 10.08.2017


Früher, also in der Zeit vor dem Internet, als die Fernseher noch schwarzweiß, die Wiesen saftig und die Straßen noch sicher waren, also früher, da hatte man noch Spitznamen.

Ein Spitzname wurde einem meist von Freunden, manchmal auch von Feinden gegeben. Dieser Beiname deutete oft eine Unvollkommenheit an. Berühmte Spitznamen sind zum Beispiel: „Friedrich der Kleine“, „Karl der Kahle“ oder „Heinrich der Zänker“.

Das ist seit Erfindung des World-Wide-Paranoia-Webs anders.

Als das Internet noch keine grafisches Mäntelchen (sprich kein www) besaß, kommunizierten vor allem das Militär, Universitäten und Forschungseinrichtungen über das Netz miteinander. Meist mit den ganz realen Namen der Akteure. Als dann später durch die einfache Handhabbarkeit des Webs auch Hinz und Kunz ins Netz vordrangen, änderte sich das Klima. Den Neuankömmlingen war das Netz nicht geheuer, und so begab man sich in die Höhle des Löwen, stopp falsches Bild: In das Netz der Spinne, natürlich nicht mit seinem Klarnamen, nein, ein Deckname musste her (das passte auf eine eigentümliche Weise zu den militärischen Wurzeln des Internets). So surften die ersten Schreibtisch-Abenteurer im Netz mit lustigen Tarnnamen wie HAL, Laserpointer1600 oder Cerberus herum.

Etwas später erreichten einen selbst über seriöse Medien ausgestrahlte Berichte, dass man sich, um Himmels willen, im Web niemals mit seinem echten Namen anmelden soll. Nur grenzenloser Leichtsinn oder schiere Dummheit könnte einen dazu verleiten.

Bis heute leiden viele Portale genau unter diesem Wahn der Anfangszeit. Was man damals nicht bedacht hat, ist, dass man mit der Wahl eines Nicks auch eine andere, von realen Leben abgespaltete, Identität annimmt.

Der ein oder andere wird das bisher Gelesene bestreiten wollen und gedanklich einwenden, dass, wenn er zum Shopping durch die City bummelt, er auch nicht ständig seinen Namen preisgibt und der Nick im Netz allein dem Schutz seiner Anonymität dient.

Wer so denkt, der möchte sich bitte vorstellen, er ginge im Spiderman-Kostüm durch die Stadt. Dieser Auftritt würde ihm selbst und allen Passanten auf seinem Weg permanent vergegenwärtigen, dass „Aus großer Kraft, große Verantwortung folgt“ und sich dadurch vielleicht ein klein wenig anders verhalten als ohne dieses Kostüm. Ich zumindest kann mir nicht vorstellen, dass neben mir jemand die Kassiererin bestiehlt und der in der Warteschlange stehende Spiderman nicht eingreift.

Das gilt natürlich nicht für alle Nicks. Die „Karls_1967“ oder „Brittas_05“ sind vielfach sehr nah an der Realität des Betreffenden und implizieren keine Wesensänderung.

Viele Menschen nutzen jedoch die Chance, sich im Netz neu zu erfinden und laden ihr zweites Ich mit einer Bedeutung auf. So fand man z.B. kurz nach dem Film Matrix in jeder Online-Community zahlreiche „Trinitys“, ein Name, der vor dem Film online überhaupt nicht vorkam. Die Figur der Trinity hat aber vielen Frauen anscheinend imponiert, und darum wollten sie sich im Netz mit ihr identifizieren.

Das bringt mich zu einer weiteren Beobachtung, nämlich der, dass man scheinbar vor allem zu Nicks greift, die etwas verkörpern, was man selbst nicht zur Genüge besitzt und darum als begehrenswert erachtet. So nennen sich durchschnittlich aussehende Frau in Modelkarteien gern „American Beauty“, „Cutie“, oder „Femme Fatal“.

In der SZ sind die Nicks „kleine Maus“ oder „Häschen“ fast immer von Frauen belegt, die weder klein, noch niedlich sind. In Rollenspielkreisen erzählt man sich seit Jahren, dass Elfen selten unter 90 Kilo auf die Waage bringen und dass darum Anbieter von Elfenkostümen stets auch Übergrößen anbieten müssen.

Damit schließt sich der Kreis zum eingangs erwähnten Spitznamen. Nur mit dem Unterschied, dass man ihn sich heute selbst verleiht. Was eine Umkehrung zur Folge hat. Man nennt sich nicht mehr „Karl der Kahle“, wenn man dünnes Haar hat, sondern „Karl der Lockige“.

Wirklich schwierig wird es, wenn der Nick schlicht ein paar Nummern zu groß ist und man sich als Träger bemüht, in ihn hineinzuwachsen. So muss der „Starfotograf“ in seinem Foto-Zirkel stets klarstellen, dass er das Bild GENAUSO hat machen wollen, dass die von anderen als technischer Fehler wahrgenommenen Details, in Wirklichkeit Stilmittel zu seiner speziellen Botschaft sind, usw.

Der Umgang mit solchen „Nicks“ kann zuweilen anstrengend sein und man wünscht sich dann, man würde mit einem schlichten „Hans Müller“ kommunizieren und nicht mit der selbsternannten Unfehlbarkeit in Person. Es lohnt sich darum, über die Wahl des Nicks zweimal nachzudenken. Und nicht nur das, es lohnt auch zweimal zu überlegen, was man von „Lord Dom Gentlemen“ wirklich erwarten kann.


Text: M.Zyks
Erstveröffentlichung: Schlagzeilen, Oktober 2015

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Früher, also in der Zeit vor dem Internet, als die Fernseher noch schwarzweiß, die Wiesen saftig und die Straßen noch sicher waren, also früher, da hatte man noch Spitznamen ...
Rubrik: Sachartikel - 10.08. 20:30
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