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Dann geh doch ... 22.10.2018

Bild von: MagicZyks


„Die grundlegende Basis von BDSM ist, dass es nach den Grundprinzipien „safe, sane and consensual“ (SSC) praktiziert wird, was so viel wie „sicher, mit klarem Verstand und in gegenseitigem Einverständnis“ bedeutet. Die Freiwilligkeit, das heißt die Einvernehmlichkeit zwischen den Beteiligten, grenzt BDSM sowohl rechtlich als auch ethisch von Vergehen oder Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung und von Gewaltmissbrauch ab.“
Quelle: Wikipedia

Die Basis für die Ausübung von BDSM ist also, dass sich mündige Partner, freiwillig und in gegenseitigem Einverständnis in ein Machtgefälle begeben. Dieses sich bewußte und freiwillige Einlassen in ein gewolltes Machtgefälle nimmt der Situation viel von der Bedrohlichkeit, die diesem Wort innewohnt.

Auch der etwas später entstandene Begriff RACK (risk-aware consensual kink), will zwar das Risikopotential einer SM-Beziehung stärker ins Bewusstsein rücken – als das um 1990 geprägte SSC – doch auch RACK betont die Einvernehmlichkeit.

Im Forum der Sklavenzentrale ist dazu oft zu lesen, dass wenn zwei Menschen etwas wollen (in diesem Fall das Machtgefälle) und damit glücklich sind, dann ist es auch gut so. Zumindest für diese Beiden, egal wie Außenstehende (z.B. Nicht-SMer) diese Beziehung bewerten.

Nun streben viele SMer, das Machtgefälle nicht nur punktuell, also ihm Rahmen eines speziellen erotischen Abends, oder im Bett an. Sie möchten es als festen Bestandteil ihres Zusammenlebens etablieren.

Unter SMern spricht man dann häufig von einer D/s-Beziehung. Was macht eine Beziehung zu einer D/s-Beziehung? Pauschal gibt es darauf keine allgemeingültige Antwort. Eine D/s-Beziehung ist, wie jede andere Beziehung auch, eine hochindividuelle Angelegenheit (das zeigt sich auch daran das sich im Umfeld von D/s einige weitere Begriffe etabliert haben, wie: 24/7, TPE, CIS). Nichtsdestotrotz gibt es ein paar Bausteine, die mehr oder minder ausgeprägt in fast jeder D/s-Beziehung anzutreffen sind.

Das Machtgefälle, welches in D/s (Dominante and Submission) bereits im Namen steckt, gehört immer dazu. Damit dieses Gefälle für die Partner in der Beziehung erfahrbar wird, vereinbaren viele D/s-Paare eine Reihe von Besitz- und Kontrollritualen. Diese können sich rein auf sexuelle Themen beschränken und festlegen, dass der Partner z.B. keine Unterwäsche tragen darf, einen Keuschheitsgürtel tragen muss, keine Masturbation betreiben darf, vor dem Orgasmus die Erlaubnis einholen soll, usw. Viele D/s-Paare belassen es aber nicht dabei, sondern legen auch Regeln für den Alltag fest. Die Palette reicht über die Kontrolle der Toilettengänge, das permanente Siezen des Tops bis hin zu ständigen Reports über den Aufenthaltsort des Bottoms.

All diese kleinen Regeln und Rituale sind winzige Kettenglieder, welche die Beziehung zusammenhalten. Dies kann zu einer symbiotischen Paar-Beziehung führen.


Natürlich verhindert ein solches Beziehungskonstrukt nicht, dass einer der Partner auch wieder daraus ausbrechen kann. Vor allem ein Übermaß an Kettengliedern kann eine D/s-Beziehung auch erdrücken. Die hohe Fluktuation vieler Paarungen, die ich über die Zeit in der SZ mitverfolgen konnte, belegt letztendlich: die ausbruchsichere Beziehung gibt es nicht. Hypnose hilft auch nicht, liebe Hobby-Hypnotiseure :-).

Dennoch wie frei ist man wirklich, wenn der Alltag eines Paares aus einer Kette von Besitz- und Kontrollritualen besteht? Es wäre nahezu naiv anzunehmen, dass diese nichts bewirken in den Menschen, die sie ausüben.

Sich aus einer Beziehung zu trennen, ist immer schwer, selbst wenn man erkennen sollte, der Partner passt nicht zu einem oder er „tut mir nicht gut“. So ist die rationale Erkenntnis, aber nur die halbe Miete. Verstand und die Gefühlswelt gehen gerade in Beziehungsfragen vielfach keine Partnerschaft ein, sondern sind gegensätzliche Pole.

Hat man dann noch als D/s-Paar über Jahre Bindungsrituale gelebt und verinnerlicht, so hat man den Dungeon seiner Beziehung zwar damals freiwillig und mündig betreten, seit dem jedoch selbst die Mauern und Ketten unermüdlich verstärkt, sodas die Freiheit, mit welcher die Beziehung eingegangen wurde, arg gelitten hat.

Jede Beziehung schafft Bindung, der schöne Urlaub in Australien, das gemeinsame Haus, die Kinder, usw. Die Bindungen, welche durch eine Partnerschaft entstehen, kann man nicht verhindern, im Gegenteil, sie sind für den Fortbestand einer Beziehung überlebenswichtig. Ebenso wichtig ist jedoch die Art der Bindungen, die man eingeht, zu prüfen. Was macht diese Bindung mit mir?

Durch D/s werden Bindungen aus primär sexuellen Motiven geschaffen ...


(mir ist schon bewußt, dass hier viele D/sler vehement widersprechen würden, weil sie D/s als etwas sehen, dass ihre ganze Wesenstruktur und nicht nur eine sexuelle Vorliebe ausmacht. Diesen möchte ich entgegenhalten, dass wenn man Teile seiner Wesenstruktur z.B. das Bedürfnis nach Führung und Sicherheit, wenn man solche Bedürfnisse erotisiert und damit für sich einen Weg findet damit umzugehen, wie soll man dann später erkennen, ob Libido oder Sicherheitsdenken meine Triebfeder ist?)


... wenn man sich das klar macht, so kann man besser abwägen, ob es gut ist diese Bindung einzugehen oder es vielleicht klüger wäre, zulasten einer ‚weniger geilen‘ Beziehung, sich nicht so eng gerade an diesen Menschen zu binden.

Im übrigen gibt es auch traumhafte Bungalows, die ein Leben mit dem Hausherren darin nicht rechtfertigen. :-)




Text: M.Zyks
Erstveröffentlichung: Schlagzeilen, Dezember 2015
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Die grundlegende Basis von BDSM ist, dass es nach den Grundprinzipien „safe, sane and consensual“ (SSC) praktiziert wird ...
Rubrik: Sachartikel - 22.10. 14:47
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