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Feige Sau 07.09.2017

Bild von: MagicZyks


Wenn es um das Thema Sexualität geht, werden häufig Vergleiche aus dem Tierreich bemüht. Was daran liegen mag, dass nicht wenige Menschen glauben, sie folgen bei ihren sexuellen Wünschen archaischen Reiz-Reaktions-Mustern, welche sie noch von ihren „tierischen“ Vorfahren ererbt haben.

Jedoch eignen sich nicht alle Tierarten gleich gut. Niemand sagt in erregtem Zustand „Du süße Forelle“ oder „Mein geiler Buntspecht“ zu seinem Sexualpartner. Sexualität wird selbst im 21. Jahrhundert immer noch mit etwas niederem und schmutzigem in Verbindung gebracht.

Der Terminus „Dirty Talk“ bringt dieses Denken auf den Punkt. So nimmt denn auch das Schwein einen der vorderen Plätze im sexuellen Sprachgebrauch ein. Von Ferkeleien über versaute Praktiken bis bin zur geilen Dreck- oder Sklavensau findet sich eine ganze Reihe von schweinischen Bezeichnungen in der SZ.

Wenn also Sex immer noch soviel säuisches hat, dann wundert es mich auch nicht, dass viele in ihrem bürgerlichen Dasein ein Problem mit ihrem scheinbar schmutzigen Sexualleben haben. Zumal man gerade als Einheimischer schon im Frühstücksfernsehen oder etwas später beim Frauentausch lernt, dass Sauberkeit die oberste Tugend ist. Das Hotel kann ruhig einfach sein, Hauptsache es ist sauber, die Wohnung der Tauschmutter darf direkt unter dem Autobahnkreuz Süd liegen, solange sie sauber ist. Im Apple Musicstore werden Liedtexte, die keine anstößigen Passagen enthalten, als CLEAN LYRICS gefeiert.

Sauberkeit nimmt in unserer Gesellschaft einen Stellenwert ein, der weit über die bloße Reinlichkeit hinaus geht.

Alles muss blitzen und blinken. In diesem Spannungsfeld wird die „feige Sau“ geboren. Man möchte seine sexuelle Identität darstellen, sich als Herr oder Sklavin anderen zeigen, gerät aber mit diesem Bedürfnis unweigerlich in einen Konflikt.

Sexuelle Ferkeleien gehören nicht in die Öffentlichkeit, sie sind nicht allgemein akzeptiert. Ich kann eher ein Video meines Blinddarmdurchbruchs bei YouTube hochladen, als die nackten Brüste meiner Frau.

Also umgeht man das Problem – Internet sei dank – indem man sich nur anonym zu seiner säuischen Natur bekennt: Man zeigt alles, wirklich alles, aber ohne Gesicht. Eine scheinbar perfekte Lösung.

Der Grund leuchtet jedem sofort ein. Der Chef, die Kollegen, die Nachbarn, die Kinder, der Pfarrer, all jene eben, von denen man Kritik oder Repressalien befürchtet, werden so kurzerhand von der eigenen Ferkelnatur ausgeschlossen.

„Ich kann mich hier nicht mit Gesicht nackt zeigen, ich würde meinen Job verlieren.“, lautet eine oft zu hörende Begründung. Ich weiß nicht, ob Chefs wirklich nichts mehr hassen, als Mitarbeiter, die in ihrer Freizeit sexuell aktiv sind, aber diese Frage ist für mich auch nachrangig.

Viel interessanter finde ich die Frage, warum es in Sklavenzentrale Menschen gibt, die davon überzeugt sind, dass ihre sexuelle Identität ein integraler Bestandteil ihrer Persönlichkeit ist und zwar so sehr, dass sie auf das öffentliche Herzeigen dieser Facette nicht verzichten möchten und gleichzeitig akzeptieren, dass sie so gesellschaftlich nicht hinnehmbar sind. Die Angst haben, dass sie ihren Job verlieren könnten, ihre Kinder der Fürsorge zugesprochen würden, usw., wenn ihre Neigung an die "normale Bevölkerung" gerät.

Muss das nicht zu einer gespaltenen Persönlichkeit führen?

Mir ist bewußt, dass wir alle in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Rollen annehmen. Wir sind Angestellte, Väter, Ehemänner, Autofahrer, Vereinsvorstände, usw. in all diesen Rollen nehmen wir Verhaltensweisen an, die für die jeweilige Situation als angemessen und richtig erachtet werden. Dies ist aber nicht das gleiche. Diese Rollen leben in einer friedlichen Koexistenz miteinander. Man hält sie nicht geheim, sondern wechselt sie je nach Bedarf. Die sexuelle Rolle hingegen empfinden viele als peinlich, schmutzig bis hin zu existenzbedrohend: "Wenn das mein Chef wüßte, wäre ich meinen Job los". Das scheint mir beklagenswert.

SMer treten an vielen Orten dafür ein, dass BDSM zu einer gesellschaftlich akzeptierten Lebensform wird. Ein Vorhaben, das schwerlich gelingen kann, wenn Sexualität als solches bereits Schweinkram ist. Das leidige Erbe unserer tierischen Vorfahren eben. Solange Sexualität stets mit Misstrauen betrachtet wird, weil ja so viel schlimmes aus ihr hervorgehen kann ...

– Immerhin sind wir alle selbst aus ihr Hervorgegangen, doch darüber hinaus ist ihr nicht zu trauen. –

... solange werden sich Menschen mit ihren sexuellen Bedürfnissen verstellen oder den Schutz der Dunkelheit bzw. der Anonymität suchen.

Mehr Mut zur Sexualität, möchte man da an die Fassaden schmieren.

In Schweineblut rot, selbstverständlich.


Text: M.Zyks
Erstveröffentlichung: Schlagzeilen, August 2016

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Wenn es um das Thema Sexualität geht, werden häufig Vergleiche aus dem Tierreich bemüht. Was daran liegen mag, dass nicht wenige Menschen glauben ...
Rubrik: Sachartikel - 07.09. 20:41
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